Nun ist sie endlich eröffnet - die Berlinale. Für unseren Geschmack war das Setting viel zu unglamourös und warum sich alle Welt für die Brustbehaarung von Keith Richards interessiert? - ...diesem Phänomen sind wir nicht auf die Spur gekommen. Das Setting selbst ist etwas langweilig und dient ganz offensichtlich einzig und allein der Produktion von Bildern für Regenbogenpresse und Fernsehen.
Mittwoch, 08.Januar 2008
Mittags um 12 Uhr stehen wir vor dem Gebäude der Internationalen Filmfestspiele Berlin auf dem Potsdamer Platz. Wir sind mit den Stellvertretern Kosslicks verabredet, die uns zum Gespräch eingeladen haben um uns ein Forum auf der Berlinale anzubieten. Wir sind gespannt, was das sein könnte...
Wie sieht der prekäre Alltag jenseits von politischen Parolen aus? Was haben Interviewtechniken mit politischem Aktivismus zu tun? Können wir vom gewerkschaftlichen organizing und vom Konzept der teilnehmenden Untersuchung lernen? Was verbindet uns mit KartenabreißerInnen bei Cinemaxx, PraktikatenInnen bei der Berlinale oder selbsständigen Filmschaffenden? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt des Workshops "Recherche, Diskussion, Konflikt - Euromayday goes Berlinale".
Die documenta ist vorbei, die Kampagne 'Mir reicht's... nicht!' geht weiter. Die Vorbereitungen für die nächste Station laufen gerade an. Unser Ziel ist der rote Teppich der Berlinale.
Mich interessierte die Idee des öffentlichen Redigierens, ich war neugierig. Redaktionssitzungen, die kenne ich als Zusammenkünfte einer kleinen, eingeschworenen Gruppe, die miteinander vertraut und an intensives zusammen arbeiten gewöhnt ist. Wie sollte so ein Prozess auf einer öffentlichen Veranstaltung, unter Leuten, die sich kaum oder gar nicht kennen, vonstatten gehen? Würde es möglich sein, diesen Teil des Bewegungsalltags – eben das Redigieren von Texten – in einen Mobilisierungs- oder Bewusstmachungsprozess einzubauen?
Zuerst also die Veranstaltung im Schlachthof. Das ist ein soziokulturelles Zentrum, das seit den 70er Jahren besteht. Am Eingang hängt ein Plakat von der 'Mir reichts... nicht!'-Kampagne. Der Raum wirkt auf mich wie ein typisches Mehrzweck-Kneipen-Hinterzimmer – Bühne an der Seite, graue Holztäfelungen am unteren Teil der Wand, einzelne Stühle, die flexibel angeordnet werden können. Dahinter eine Kneipentheke, wo's auch was zu essen gibt.
Am Sa., den 28.07.2007, gab es im Rahmen des Veranstaltungsprogramms einen Workshop mit Klaus Ronneberger zum Thema "Bilder der Prekarität", an dem ca. 25 Leute teilnahmen. Der erste Teil des workshops begann mit einem historischen Exkurs über die Bildproduktion der Arbeiterbewegung und setzte sich fort durch eine theoretische Annäherung an das Thema "Prekarität heute".
Wir haben noch ein wenig, bis der Workshop um 15h anfängt. Klaus Ronneberger, einer der ReferentInnen, ist schon angekommen. Das sind die guten Seiten der prekären (politischen) Tätigkeiten. Man trifft gute Bekannte und Freunde, die man lange nicht gesehen hat. Und für eine kurze Zeit vergisst man, dass man die ganze Zeit unterwegs ist, versucht, mit Würstchen satt zu werden, und das Geld flieht aus dem Portmonee wie sonst was. Die zweite Referentin, Marion von Osten, hat gestern Abend wegen Krankheit abgesagt. Kennen wir jedoch zu gut.
Im Zug nach Kassel diskutieren wir Nachzügler über die Interviews. D. ist gar nicht dazu gekommen, ein Interview zu führen. Darüber war sie anfangs traurig, irgendwie aber ist ihr klar geworden, dass ihr Unbehagen mit den Interviews darin bestand, dass sie in ihrem Job permanent informelle Interviews zu Prekarität führt. D. hat sich gerade selbstständig gemacht mit einem Friseursalon in Hamburg.
Kurz vor zwölf in Kassel angekommen. Großer Hunger, wir gehen frühstücken, gegenüber dem "Schlachthof" und lassen uns updaten. Neugier! Wie ist es bis jetzt gelaufen?