Den Superstars die Show stehlen.
Damit hatten die beiden Superstars Scarlett Johansson und Natalie Portman nicht gerechnet. Als sie am Freitagabend bei der Premiere ihres mit Spannung erwarteten Kinofilms "Die Schwester der Königin" graziös über den roten Teppich vor dem Berlinale-Palast schritten, waren sie plötzlich selbst nur noch Kulisse.
Bei der Premiere des Kostümfilms „Die Schwester der Königin", einem der mit
Spannung erwarteten Höhepunkte der Berlinale, gab es am Freitagabend eine
überraschende Wendung. Als Scarlett Johansson und Natalie Portman den roten
Teppich vor dem Berlinale Palast betraten, erklommen Prekäre Superhelden die
dortige Großbildleinwand und entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Mir
(Stéphanie Pichon de Berlin) Samedi 9 février, le mouvement de gauche Mayday organisait pour la première fois le Gala des perspectives précaires, à Berlin, pour dénoncer les conditions de travail des centaines de précaires embauchés pendant le festival de cinéma qui se poursuit jusqu'au 17 février.
Von Haidy Damm
Nicht nur bei der Berlinale haben Hunderte Menschen sogenannte prekäre Jobs. Doch das Show-Ereignis nahmen linke Gruppen zum Anlass, die Helden des Alltags hinter den Kulissen mit einem Preis zu würdigen.
Der Raum ist in warmes Rotlicht getaucht, Menschen in Cocktailkleidern und Anzügen drängen sich am üppigen Buffet. Es ist eine ungewohnt glamouröse Stimmung für einen Abend, der den unglamourösen Alltag von Beschäftigten der Berlinale thematisieren soll. Freie Filmschaffende, Filmvorführer, Kartenabreißer und Reinigungskräfte arbeiten hier oft zu Bedingungen, die ein Leben unterhalb der Armutsgrenze bedeuten.
Feierlich ging es zu auf der etwas anderen Berlinale-Veranstaltung: Max Bitzer und Jenny Beyel von der Gruppe FelS (Für eine linke Strömung) eröffneten am Samstagabend im Roten Salon der Volksbühne die "Gala der prekären Perspektiven".
Kartenabreißer, Klofrauen, Wachschutzleute: Das unterbezahlte Kulturprekariat verlieh am Samstag eigene Berlinale-Preise.
VON THOMAS LOY
Wolfgang Janßen ist der »Administration Manager« in der Festspielleitung – so was wie der Personalchef der Berlinale. Er möchte nicht am »prekären Glücksrad« drehen. Das haben ihm Aktivisten der Kampagne »Mir reichts... nicht«- angeboten. Er hat aber keine Zeit dafür. Eine Praktikantin in der Presseabteilung dreht am Rad. »Was würdest du tun, wenn du Dieter Kosslick, der Chef der Berlinale, wärst?« »Ich würde die ganzen Praktikastellen bei der Berlinale in vernünftige Jobs umwandeln.