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Zeitmangel, Unterbringung, Workshop 'Bilder der Prekarität', Kassel-Zuschlag

Zeitmangel, Unterbringung, Workshop 'Bilder der Prekarität', Kassel-Zuschlag

Im Zug nach Kassel diskutieren wir Nachzügler über die Interviews. D. ist gar nicht dazu gekommen, ein Interview zu führen. Darüber war sie anfangs traurig, irgendwie aber ist ihr klar geworden, dass ihr Unbehagen mit den Interviews darin bestand, dass sie in ihrem Job permanent informelle Interviews zu Prekarität führt. D. hat sich gerade selbstständig gemacht mit einem Friseursalon in Hamburg. So verwunderte es mich nicht, dass sie diesen Ausflug nach Kassel mit dem Satz kommentierte: "Ich mache hier Urlaub." Tatsächlich fiel ihr auf, dass sie sich das erste Mal seit Monaten freigenommen hat.
Nach der Ankunft versuchten wir die Wohnungslage zu klären, was für mich ungünstigerweise dazu geführt hat, dass ich in einem Wohnungswagen übernachten musste. Der Rest ist, glaube ich, einigermaßen okay untergebracht. Bei mir ist es zwar kalt, aber dafür wohne ich allein. Damit will ich nur sagen, dass ich mich jederzeit aus dem kommunikativen Overkill ausklinken kann. Andere machen das anders.
Der Workshop geht gleich los. Marion von Osten hat leider abgesagt. Klaus [Ronneberger] und seine Fangemeinde sind schon da, nach und nach kommen noch einige andere. Klaus hält einen sehr schönen Vortrag über die Genealogie der Bilder der Prekarität, auch wenn er technisch nicht im Stande ist, die Bilder an die Wand zu werfen, kommen wir in den Genuss seine schönen Bildbände durchzublättern.
Danach zeigt Frank uns Bilder zur Agit-Prop-Ästhetik der Euromayday-Produktionen. Einer fragt, wer eigentlich alles St. Precario schon vorher kannte? - mit der festen Überzeugung, dass es sehr wenige sind. Als fast alle die Hand heben, war er kurz verunsichert, aber blieb bei seiner Überzeugung: "Ihr habt es doch alle zusammen gesehen." Schließlich wird uns klar, dass unsere Bildsprache gerade mal die Euromayday-Gemeinde und vielleicht ein Stückchen darüber hinaus affiziert. Ausgenommen natürlich die prekären Superhelden. Eine andere Kritik bezieht sich auf unsere Flyer: Sie stellen unsere politische Praxis nicht dar, denn wo ist der rote Teppich der Berlinale?
Danach geht's essen zum 'Frechen Spanier'. Bei Tapas, Wein und Bier streiten wir über die Veranstaltung am Freitag, und nebenbei treffen wir den historischen Beschluss der sofortigen Einführung eines Aktivistinnen per diems (Kassel-Zuschlag), um die Rechnung bezahlen zu können.

precarity webring