Wir haben noch ein wenig, bis der Workshop um 15h anfängt. Klaus Ronneberger, einer der ReferentInnen, ist schon angekommen. Das sind die guten Seiten der prekären (politischen) Tätigkeiten. Man trifft gute Bekannte und Freunde, die man lange nicht gesehen hat. Und für eine kurze Zeit vergisst man, dass man die ganze Zeit unterwegs ist, versucht, mit Würstchen satt zu werden, und das Geld flieht aus dem Portmonee wie sonst was. Die zweite Referentin, Marion von Osten, hat gestern Abend wegen Krankheit abgesagt. Kennen wir jedoch zu gut. Dieses Signal des Körpers, der nach einer Pause sucht und diese auch erzwingt. Sehr schade, ich freute mich sehr auf ihren Kommentar zur Arbeit der Künstlerin Zoe Leonard, vor allem aber auf ihren Blick auf die Euromayday-Plakate.
Klaus erzählte über das Verhältnis von Kunst und "Arbeit" (Zentralität des ausgebeuteten Körpers und die Überhöhung des Arbeiters als Held/Ikone, Thematisierung von Arbeitslosigkeit/Hierarchien in der Darstellung von Piktogrammen, wo der Arbeiter, als kleiner winziger Teil eines Kollektivs auftaucht, der Deformation der Person im Verhältnis von Arbeiter zur Maschine, der "gefesselte" Arbeiter als Opfer und Erlöser). Im zweiten Schritt umriss er den umstrittenen Begriff der Prekarität und ging dann über zur Frage von Figuren der Prekarität. Circa 25 Leute hörten zu. Irgendwie schienen zwei, wenn nicht drei Generationen aufeinander zu treffen. Und der Austausch klappte.
Einige an den Workshop anschließend, anregende Fragen finde ich wichtig, weiter zu diskutieren.
_Wenn wir keine Sprache für Prekarität (weil umstritten, disparat) finden, wie soll ohne Sprache eine "Übersetzung" in Bilder stattfinden? Ist vielleicht die nötige Einschränkung auf anderer Ebene möglich, jenseits der inhaltlichen Definition von Prekarität? Sollten wir auf der Suche nach Kampagnen-Bildern eher der Frage nach der Wirksamkeit des Zeichens (maximaler Resonanzraum) oder eines Symbols der Verbreitung nachgehen?
_Sagbare und sichtbare Bilder die "Furcht" erregen?
_Haben wir sogar einige Bilder? Brigitta Kuster verwies darauf, dass wir schon oft in Bildern sprechen, wie zum Beispiel dem Aufruf des "roten Teppichs" auf der Berlinale, ein "Zukunftsbild" das auf die offene Arbeitsweise der Kampagne hinweist. Schließlich ist der "rote Teppich" abstrakt genug, um Offenheit zuzulassen, aber auch konkret genug um anzusprechen und die Phantasie bei unterschiedlichen Leuten anzuregen, die sich in der Kampagne einschreiben wollen. Zeichen der Lesbarkeit, also erfinden die auf die Kampagnen-Praxis verweisen.
Ach ja, Assoziationen: wie schrill-toll war das im Workhop gezeigte Bild der primavera-precaria!