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Viertes und fünftes öffentliches Redigieren (Schlachthof und Documenta-Halle)

Viertes und fünftes öffentliches Redigieren (Schlachthof und Documenta-Halle)

Mich interessierte die Idee des öffentlichen Redigierens, ich war neugierig. Redaktionssitzungen, die kenne ich als Zusammenkünfte einer kleinen, eingeschworenen Gruppe, die miteinander vertraut und an intensives zusammen arbeiten gewöhnt ist. Wie sollte so ein Prozess auf einer öffentlichen Veranstaltung, unter Leuten, die sich kaum oder gar nicht kennen, vonstatten gehen? Würde es möglich sein, diesen Teil des Bewegungsalltags – eben das Redigieren von Texten – in einen Mobilisierungs- oder Bewusstmachungsprozess einzubauen?
Tatsächlich war dieses Redigieren ja Teil eines größeren Projekts, in dem es darum ging, über Gespräche und Interviews Linien prekärer Verhältnisse aufzuzeichnen. Statt sich also mit einem Flugblatt, einem Text, einem Manifest an prekär Beschäftigte zu wenden, suchten die Leute von der 'Mir reichts... nicht!'-Kampagne das Gespräch mit PraktikantInnen, VermittlerInnen, Security- und Putzpersonal, dokumentierten, und diskutierten öffentlich und intern. Ein Zwischenziel dieses offenen Prozesses war es, einen Text zu produzieren, der dann wiederum bei den nächsten Stationen eingesetzt werden könnte – etwa beim Bundeskongress von Verdi im Herbst, bei der Berlinale 2008 oder ganz direkt noch während der Documenta.
Vor allem aus Mailinglisten und Webseiten wusste ich, dass es beim öffentlichen Redigieren um die kollektive Arbeit an Interview-Materialien ging, die in den Tagen/Wochen zuvor aus der Documenta-Phase dieses Projektes des Hamburger Euromayday-Netzwerks hervorgegangen waren. Mit diesem Konzept sollten die Interview-PartnerInnen die Möglichkeit bekommen, Einfluss auf die zu produzierenden Texte zu nehmen. Ich war etwas zögerlich, mich zur Teilnahme an den Veranstaltungen zu entschließen, war ich doch weder Interviewerin noch Interviewte noch Teil des Hamburger Euromayday-Netzwerks – aber nachdem mich jemand ausdrücklich eingeladen hatte, bin ich hingefahren.

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