Wie sieht der prekäre Alltag jenseits von politischen Parolen aus? Was haben Interviewtechniken mit politischem Aktivismus zu tun? Können wir vom gewerkschaftlichen organizing und vom Konzept der teilnehmenden Untersuchung lernen? Was verbindet uns mit KartenabreißerInnen bei Cinemaxx, PraktikatenInnen bei der Berlinale oder selbsständigen Filmschaffenden? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt des Workshops "Recherche, Diskussion, Konflikt - Euromayday goes Berlinale".
Ort: Projektraum Hermannstraße 48, Berlin-Neukölln (U8 Boddinstraße)
Zeit: Sonntag, den 25.11.2007
Beginn: 12 Uhr (mit Frühstück!)
Mayday - documenta - Berlinale: Aller guten Dinge sind drei.
Euromayday: Am 1. Mai haben wir uns als Prekäre und als politisch Organisierte auf den Straßen von Hamburg, Mailand und Berlin versammelt. Mit den Mayday-Paraden haben wir den Versuch unternommen, der Unsichtbarkeit prekären Lebens ein Ende zu setzen und über die Ängste, Bedürfnisse sowie über mögliche Forderungen Prekärer öffentlich zu sprechen.
Documenta 12: In Kassel haben wir das Gespräch mit anderen Prekären gesucht und uns über unsere Arbeit, unser Leben und unsere Wünsche ausgetauscht.
Berlinale 2008: Auf der kommenden Berlinale werden wir diese Diskussion fortsetzen. Aber wir werden es nicht dabei belassen. Der Rote Teppich ist unser Ziel, und wir werden ihn als Hauptdarsteller unseres eigenen Lebens betreten.
In den nächsten Monaten werden wir mit unseren prekären Brüdern und Schwestern an der Kino-Kasse sprechen, mit den unbezahlten PraktikatInnen und den anderen SaisonarbeiterInnen im Berlinale-Büro, mit den selbständigen Filmschaffenden, mit den Blockern und Beleuchtern Berlins, mit den Securities und Reinigungskräften der großen Multiplex-Kinos. Diese Gespräche sind der Ausgangspunkt, von dem wir uns unserem vorläufigen Ziel nähern: einer unübersehbaren Intervention des Berlinale-Prekariats auf dem Festival im Februar 2008.
Wir möchten Euch gerne einladen, an unserem Experiment teilzunehmen. Der nächste Schritt ist unser Workshop, auf dem wir unsere bisherigen Erfahrungen mit der Untersuchung vorstellen und unsere Rezepte gemeinsam verbessern. Anschließend schwärmen wir aus, um am Potsdamer Platz erneut Kontakt aufzunehmen zu den Beschäftigten bei der Berlinale.
Wir freuen uns, wenn Ihr am Workshop und/oder an der Kampagne 'Mir reicht's... nicht!' teilnehmt. Hier das genaue Programm:
12:00-12:30 I. Vorstellung der Euromayday Kampagne "mir reicht's ... nicht!"
Was war bisher?
Wo gehen wir hin?
Was ist das Ziel(e) der Kampagne?
12:35-13:00 II.a Interview-Training: Einleitendes
Interview-Form: aktivierende Interviewgespräche, Zugang zum Feld
Interview-Struktur: Vorstellung, Fragen, Ziel des Interviews
13:15-13:45 II.b Interview-Training: Selbstbefragung
gegenseitiges Interviewen (2x 15 Min. wechselnde Rollen üben als InterviewerIn / Interviewte)
14:00-15:00 II.c Transparenz des interviewten Materials
Berichte über die Interviewerfahrung
Visualisierung/Strukturierung des erhobenen Materials (Mapping)
15:00-16:00 Pause
16:00-18:00 III. Durchführung von Interviews am Potsdamer Platz oder mit bereits Kontaktierten
Sich im Feld bewegen, den Raum auf sich wirken lassen
Interviews durchführen (zu zweit)
18:00-20:00 IV. Team-Sitzung
Vorbereiten für Interview-Vorstellungen (ca. 15 Min.)
Interviewgespräche vorstellen und Material Mapping
Koordinierung und Planung weiterer Schritte