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Gala der Prekären / Gala of Precarious Perspectives (9.2.)

Gala der Prekären / Gala of Precarious Perspectives (9.2.)

Last exit Kreditkartenhopping?
Hingehen, wo es weh tut. Das hat sich die Berlinale dieses Jahr vorgenommen. Unser Routenvorschlag: Einen Schritt raus aus der Tür, umdrehen, wieder rein.
Zum Beispiel prekäre Arbeit in der Filmbranche. Von den Kassierern bei Cinemaxx, die von 6 Euro 50 die Stunde leben, den Praktikanten der Berlinale, denen die Hoffnung auf einen Job Lohn genug sein soll, bis zu den selbstständigen Filmschaffenden, denen nach jedem Projekt der Absturz auf Hartz IV droht. Selten liegen Prekarität und Glamour so dicht beieinander. Arm aber sexy eben.

Was ist die Leitwährung auf der Berlinale: Hoffnung? Aufmerksamkeit? Ist Armut der Preis für Glamour? Wann wird der rote Teppich zum roten Tuch? Wo gehen die Prekären der Kulturproduktion zum Angriff über? Welche Strategien haben sie entwickelt? Im Rahmen der Kampagne „Mir reicht’s ... nicht!“ haben wir zahlreiche Gespräche mit Beschäftigten auf der documenta und auf der Berlinale geführt. Wir laden ein zu einer Suche mit ungewissem Ausgang.

Ein Abend mit szenischen Lesungen, Filmkunst und Berichten aus dem widerständigen Alltag. Mit Beiträgen von Berlinale-Beschäftigten und Filmschaffenden, der Writers Guild of America, den Intermittents du spectacle, den Surfpoeten, Euromayday Hamburg-Berlin

Roter Salon in der Volksbühne (Rosa-Luxemburg-Platz), 20h

(Die vier Postkarten-Motive zur Party findest du hier.)

 

An evening with scenic reading, film art and reports from everyday
resistance. Contributions of workers at the Berlinale, filmmakers, the
Writer's Guild of America, the Intermittents du spectactle, the surfing
poets, and Euromayday Hamburg-Berlin.

 

Die Praktika der Anderen

Hallo Zoe, ich finde eure Aktion gut und notwendig. Ich bin derzeit Praktikant auf der Berlinale. Ich finde aber undifferenziert, dass ihr euch so auf die Berlinale einschießt. Ich habe bisher 10 Praktika gemacht: an vier Theatern, an einer Oper, in der Zeitung, am Goethe-Institut. Und überall wurde ich schlechter bezahlt (nämlich gar nicht) und hatte schlechtere Arbeitsbedingungen als jetzt auf der Berlinale. Im Goethe-Institut Istanbul musste ich sogar den Flug und die Unterkunft selbst zahlen und bekam nicht mal Hilfe dabei, eine Wohnung zu finden - und nirgendwo materiellen Zuschuss. Die Goethe-Institute haben seit sieben Jahren den Handel mit Praktikanten institutionalisiert mit speziellen Bewerbungsbögenim Internet, usw. Besonders schade: Man muss für ein Praktikum in einer großen Stadt bei Goethe erst mal viele andere Konkurrenten aus dem Feld schlagen und 1-3 Jahre darauf warten, um dort überhaupt eine Stelle zu bekommen. Zweitens sind die Möglichkeiten, nach einem Praktikum bei der Berlinale fest oder zumindest zu einem Festgeld eingestellt zu werden, gar nicht schlecht. Meine beiden Vorgänger haben das geschafft. Die Chancen bei Zeitung, Theater und Goethe-Institut liegen dagegen bei geschätzten 1% und bei gefühlten 0%. Besten Gruß Rainer

bestbezahlteste Unterbezahlung

Hallo Rainer,

es geht uns nicht darum, die Berlinale generell anzugreifen, sondern wir möchten dass auf der Berlinale z.B. deine Situation als Praktikant genauso wie die Situation  freier Filmschaffender oder der Filmvorführer von Cinemax thematisiert wird. Bei einem Event wie der documeta oder der Berlinale hat man unterschiedlichste Formen der Prekarität auf einem Haufen. Wir wünschen uns eine gesellschafftliche Debatte über Prekarisierung. Wir würden gerne mit allen Prekarisierten das Gemeinsame suchen und diskutieren - dafür erscheint uns die Berlinale ein idealer Ort zu sein.

Natürlich hast du Recht, dass es noch viel schlechtere Praktika-Stellen gibt als dort. Aber mal ehrlich, wie schaffst du es von 400€ zu leben? Eine unserer Ideen war es, der Berlianle einen Preis für die bestbezahlteste Unterbezahlung zu verleihen.

Gruß, aliv

 

 

precarity webring